Kapitalertragsteuer

Zukunftsdepot und KESt

Auf Gewinne soll im Zukunftsdepot bis zur Volljährigkeit keine Kapitalertragsteuer anfallen. Normal sind 27,5 %.

Von Martin MacheinerVeröffentlicht Aktualisiert Stand 17. Oktober 2026

Wie Erträge heute besteuert werden

Wer für ein Kind heute mit Fonds oder Aktien spart, zahlt auf jeden Ertrag Kapitalertragsteuer. Die Bank zieht sie automatisch ab. Laut Finanzministerium gelten zwei Sätze:

ErtragKEStWann sie fällig wird
Zinsen aus Sparbuch und Konto25 %Bei jeder Zinsgutschrift
Dividenden und Ausschüttungen27,5 %Bei der Auszahlung
Kursgewinne27,5 %Beim Verkauf
Thesaurierende Fonds27,5 %Jedes Jahr auf die ausschüttungsgleichen Erträge, auch ohne Auszahlung

Ein Fonds, der seine Erträge wieder anlegt, löst trotzdem jährlich Steuer aus (Konsument). Beim späteren Verkauf wird das angerechnet, doppelt gezahlt wird nicht. Das Geld fehlt aber über Jahre beim Zinseszins. Genau diesen Effekt würde das Zukunftsdepot beseitigen.

Was die Steuerbefreiung wert ist

Nach den bisherigen Ankündigungen soll bis zur Volljährigkeit keine KESt anfallen. Wie viel das ausmacht, hängt fast nur von Einzahlung und Rendite ab. Die folgende Tabelle zeigt die gesparte Steuer ab der Geburt, ohne Startbonus, damit nur die Steuerwirkung zählt:

Pro MonatEingezahlt in 18 JahrenGesparte KESt bei 5 %bei 7 %
€ 15€ 3.240€ 462€ 755
€ 25€ 5.400€ 770€ 1.258
€ 50€ 10.800€ 1.541€ 2.516
€ 100€ 21.600€ 3.082€ 5.032
€ 200€ 43.200€ 6.163€ 10.064
Höchstbetrag (€ 416,67)€ 90.000€ 12.840€ 20.967

Annahmen: 0,5 % Fondskosten, Einzahlung am Monatsende. KESt einmalig auf den Gewinn beim Verkauf mit 18. Das ist ein Mindestwert, weil die jährliche Besteuerung thesaurierender Fonds in einem normalen Depot nicht eingerechnet ist.

Wer 5.000 Euro im Jahr einzahlt, spart bei 5 % Rendite rund € 12.840, wer 15 Euro im Monat einzahlt, rund € 462. Pro eingezahltem Euro ist die Ersparnis für alle gleich. Andere Modellrechnungen kommen auf höhere Werte, weil sie mit höherer Rendite oder anderen Annahmen arbeiten, etwa ohne Fondskosten oder mit Einzahlung am Jahresanfang. In einem schlechten Börsenumfeld ist die Befreiung nichts wert: Wo kein Gewinn entsteht, fällt auch keine Steuer an, und den Wertverlust trägt das Kind voll.

Warum der Vorteil so ungleich verteilt ist

Ungleich wird die Ersparnis, weil nicht alle Familien gleich viel einzahlen können. Wer 15 Euro im Monat einzahlt, spart in 18 Jahren € 462, wer den Höchstbetrag einzahlt, € 12.840, rund das 28-Fache. Laut Momentum Institut kann im Mittel nur die besser bezahlte Hälfte der Familien den vollen Rahmen ausschöpfen.

Der Startbonus wirkt in die andere Richtung, weil alle Kinder denselben Betrag erhalten. Gegenvorschläge gibt es trotzdem: Die SPÖ wollte den Bonus automatisch für jedes Kind anlegen, Volkshilfe und Caritas halten eine Kindergrundsicherung für treffsicherer. Die Positionen finden Sie auf der Seite Aktuell.

Was steuerlich noch offen ist

FrageStand
Bleiben Erträge steuerfrei, wenn das Geld nach dem 18. Geburtstag im Depot liegt?Keine bisherige Fassung sagt, was nach der Volljährigkeit mit den Erträgen passiert.
Ist die Auszahlung selbst steuerfrei?Die NEOS schreiben es ausdrücklich. Die Regierung sprach bisher von Steuerfreiheit bis zur Volljährigkeit.
Kostet ein Fondswechsel innerhalb des Depots Steuer?Nicht geregelt. In einem normalen Depot löst jeder Verkauf mit Gewinn KESt aus.
Wie wird der Steuerausfall bezahlt?Im September war er laut Finanzministerium nicht budgetiert. Nach der Einigung am 17. Oktober sagte Bundeskanzler Stocker, das Budget decke ihn ab, ohne Beträge zu nennen.

Diese Punkte entscheiden mit, wie viel vom Vorteil ankommt. Wer das Geld mit 18 nicht braucht und weiterlaufen lässt, zahlt ab dann womöglich wieder KESt auf neue Erträge. Mehr dazu unter Zukunftsdepot ab 18.

Der größere Streit: KESt-Freiheit auch für Erwachsene?

Das Zukunftsdepot ist Teil einer breiteren Debatte. Schon im Juli 2026 hatte die ÖVP vorgeschlagen, Kursgewinne nach einer Behaltefrist von etwa zehn Jahren von der KESt zu befreien. Die NEOS unterstützen das, die SPÖ lehnt es ab (SN). Die Junge Industrie sieht das Zukunftsdepot deshalb nur als ersten Schritt.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die KESt auf Fondsgewinne?
27,5 % auf Dividenden, Kursgewinne und die Erträge thesaurierender Fonds. Auf Zinsen vom Sparbuch fallen 25 % an.
Ist das Zukunftsdepot steuerfrei?
Nach den bisherigen Ankündigungen fällt bis zur Volljährigkeit keine Kapitalertragsteuer an. Details und der Zeitraum danach stehen erst im Gesetzestext.
Zahlt ein Kind überhaupt KESt?
Ja, wenn das Vermögen dem Kind gehört. Unter bestimmten Bedingungen lässt sich die KESt über die Regelbesteuerung zurückholen. Mehr dazu unter Kinderdepot in Österreich.

Quellen

  1. Finanzministerium: Besteuerung von Kapitalerträgen
  2. Konsument: Investmentfonds und KESt
  3. Momentum Institut: Verteilung der Steuervorteile
  4. NEOS: Modell Zukunftsdepot

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